Holzbrief von Heinz Petersen an Richard de Bury

Karl Schaper: Buchobjekt – Brief an Richard de Bury von Buchbinder Heinz Petersen (1978).

Überdimensionaler Briefumschlag aus handbearbeitetem Holz mit Messingscharnier. Format: 22 x 30 cm/ aufgeklappt: 34 x 30 cm.
Absender und Adressat ins Holz eingeritzt. Der beim Aufklappen des Scharniers umseitig sichtbare Text in kräftigem Bleistift.
Beiliegend der Katalog: Karl Schaper: Bäume, Rüben, Hunde, Soldaten. Ausstellung des Kunstverein Celle e.V. vom 28.5. – 18.6.1972.

Adressat des Briefes ist der englische Bischof Richard de Bury (ca. 1281 – 1345), der als Förderer der Bildung und Sammler von Büchern mit seinem berühmten „Philobiblon“ die erste Schrift über Bibliophilie verfasste.

Absender ist der bekannte Düsseldorfer Kunstbuchbinder und Restaurator Heinz Petersen (MDE), aus dessen Sammlung das Objekt stammt.
Ausgewählte und kommentierte Exemplare seiner Mustersammlung von Büchern und Kuriositäten rund um das Buch, die von der Antike bis zur Gegenwart reichen, veröffentlichte Petersen 1988 in seinem Standardwerk Bucheinbände (Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz).
Handschriftliche Widmung des Künstlers an Petersen unten rechts in der Innenkante des aufgeklappten Briefumschlags und im beiliegenden Katalog unter dem Porträt gegenüber der Seite „Autobiographisches“.


Der Maler, Grafiker, Bildhauer und Konzeptkünster Karl Schaper (1920-2008) zählt zu den bedeutenden deutschen  Vertretern des Abstrakten Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Er studierte u.a. bei Ewald Mataré, Arnold Bode und Fernand Léger. Für seine Arbeiten erhielt er zhahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, u.a. den Preis der Ausstellung „Eisen und Stahl“ 1952, das Kunststipendium der Villa Massimo in Rom 1985 und den Kunstpreis der SPD Niedersachsen 1987.
Bekannt wurde er vor allem
durch seine überdimensionalen, holzgeschnitzten Briefe und die erdachte Korrespondenz mit toten und lebenden Persönlichkeiten aus Kultur, Politik und Literatur.

„Angesichts der Gigantomanie unserer Zeit, der Monumentalität unserer Bauten sind diese Holzbriefe Schapers heimliche Liebeserklärungen an die Poesie, an die verborgenen, an die sich versteckenden Künste. Da wird mit drastischen Mitteln die Technokratie ironisiert, und man nimmt diese Werke als Möglichkeiten einer Korrespondenz mit der immer weniger verständlichen Welt. Karl Schapers Holzbriefe – das sind rustikale Objekte und lesenswerte Botschaften in der rastlosen und ratlosen Zeit, verfremdete Formen einer unterbrochenen menschlichen Beziehung. Sie schlagen die Brücke zwischen Hoffnung und Mutlosigkeit. Objektkunst: sie zeigt sich hier als eine Möglichkeit konstruktiven Welt- und Zeitverständnisses. Karl Schaper, der Künstler aus Wolfenbüttel, spiegelt die weite Welt in seinen Holzbriefen. Er schreibt unermüdlich, ein Besessener, der von der Kunst in den verfremdeten, grotesken Formen lebt. Holzbriefe: man sollte diese ungewohnten Objekte häufig lesen.“ – Paul Raabe, Brusberg Berichte 17 (1973)

Sehr guter Zustand. Originelles unikales Buchobjekt mit interessanter Provenienz für Bibliophile und Kunstsammler.

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